Lesestoff gesucht...

Nachdem ich letzte Woche Nick Hornby’s High Fidelity zu Ende gelesen und mir anschliessend gleich noch den Film reingezogen habe, ist mir der Lesestoff ausgegangen. Ich hätte zwar noch zwei Bücher von Hornby hier liegen, aber ich will mal wieder etwas deutsches lesen.
Leider habe ich sonst alles hier im Bücherregal mindestens schon einmal gelesen und nach zum zweiten oder x-ten Mal lesen ist mir jetzt auch nicht.
Also weiterdenken: Bei welchem Buch konnte ich zuletzt brutal ablachen? Na dieses eine mit dem unsäglich langen Titel, in dem die Hauptperson ständig versifft mit Notebook und Survivaltasche umherirrt: Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Meer.
Der Autor Michel Birbaek hat sogar einen überzeugenden Internetauftritt.
Leider erscheint sein nächstes Buch erst im Frühjahr 2007. Bis dahin muss mir wohl sein Erstlingswerk reichen, bestellt ist es schon.
Um die Wartezeit weiter zu verkürzen gibts sogar noch eine Leseprobe.
Die Kurzgeschichte “Erinnere mich morgen jemand daran…” ist unbedingt zu empfehlen!

Hunt for Red October

Kann es wirklich sein, dass dies seit bestehen dieses Blogs erst der dritte Eintrag in der Kategorie Bücher ist? Dafür, dass ich eigentlich gerne und viel (dachte ich zumindest) lese, ist das doch ein wenig mager.
Gut ein Buch mehr war da sicher noch, sonst die üblichen Bücher zum durchblättern fürs Studium. Für teures Geld gekauft und sehen noch aus wie neu…

Zurück zum eigentlichen Thema: Zu Tom Clancy’s Jagd auf Roter Oktober kam ich eigentlich durch den gleichnamigen Film, bis heute einer meiner absoluten Lieblingsfilme und sicher mein Favorit unter allen U-Boot Filmen. Von den Schauspielern bis hin zum genialen Soundtrack ein packender Thriller. Alec Baldwin ist der wahre James Ryan!

Kommt man über einen Film zu einem Buch fällt vorallem auf, dass auf 500 Seiten ein weit detaillierterer Plot existiert, als man in 120 Minuten Film unterbringen könnte. Da wo der Film dicht und spannend ist, verliert sich die Romanvorlage in detaillierten Erklärungen technischer Geräte oder verschiedener Flottenbewegungen. Das ganze Konstrukt im Roman ist um ein vielfaches komplexer, daher vielleicht auch realistischer. Andererseits leidet an dieser Komplexität der Lesefluss. Man muss sich schon für den ganzen Technotalk interessieren, sonst legt man das Buch schnell genervt zur Seite.

Glücklicherweise interessiert mich gerade die Technik, sonst hätte ich mir die 500 Seiten und auch die ganze Jack Ryan Serie nie angetan. Es ist ja genau das, was Clancy’s Romane ausmacht: Die minutiöse Beschreibung aller technischen Vorgänge.

Zu Jagd auf Roter Oktober gibt es also sicher nichts schlechtes zu sagen. Aber der Grund, warum ich es nochmal gelesen habe war eigentlich, dass ich es in einer Buchhandlung zufällig in der englischen Originalversion sah und zugreifen musste. Wie bei Filmen und Serien ist es auch bei Büchern oft so, dass durch die Übersetzung halt einiges verloren geht. Aber Clancy ist kein Poet, er ist ein Technikfreak und entsprechend auch sein Schreibstil sachlich und nüchtern. Da gibt es also nicht viel, was in der Übersetzung verloren gehen könnte.
Ich werde mir also sicher keinen zweiten Clancy Roman, den ich schon in der deutschen Fassung besitze, im Original anschaffen.

Soloalbum

Benjamin von Stuckrad-Barre beschreibt als Ich-Erzähler die Leiden eines jungen Mannes Anfang zwanzig, dessen Freundin gerade per Fax mit ihm Schluss gemacht hat. Nett, oder?

Da die Hauptfigur sich gerade auf dem Gipfel der Verliebtheit befand, fällt ihm die Trennung natürlich nicht leicht. Er monatelang trautert er der Verflossenen hinterher und kriegt sein Leben nur schwer in den Griff. Zwischen Alkohol, Koks und Oasis versucht er verzeifelt, seine grosse Liebe zurückzugewinnen. Natürlich bleibt das erfolglos und in Zeiten, in denen er das einsieht, geht es auch immer wieder etwas aufwärts.

Stuckrad-Barres Schreibstil ähnelt dem, was ich in meinen zaghaften Schreibversuchen produziert habe: Ein Haufen niedergeschriebener Gedanken. Im Unterschied zu mir hat er aber eine chronologische Rahmenhandlung, was dem Ganzen die nötige Struktur verleiht. Die Gedanken schwanken von belanglos bis zum Todlachen, weshalb das Buch sich stellenweise sehr träge liest.

Aber der Humor ist vom feinsten und extrem treffend. Man muss einfach laut auflachen, wenn der Protagonist so ein paar Möchtegerns mit ein paar hohlen Schlagwörtern zutextet und die ihm den Müll auch noch abkaufen. Genial, weil einfach so war. Mal abgesehen von der Kokserei kann man sich da ziemlich gut hineinversetzen.

Mein Tipp: Lesen! Aber nicht gerade, wenn man down ist oder weil man es lesen muss, dann wir die Sache mühsam.

Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm!

Tim Renner über die Zukunft der Musik- und Medienindustrie. 1986 bekam der damals 22 Jahre alte Musikjournalist Tim Renner einen Job bei der Plattenfirma Polydor. Als Musikjournalist hatte er eigentlich vor, eine Undercover-Geschichte über die „böse“ Musikindustrie zu schreiben. Doch es sollte anders kommen.
Renner erhält weitreichende Kompetenzen und kann den Kontakt zwischen Künstler und Label nach seinen Vorstellungen gestalten. Über die Jahre steigt er immer höher in der Hierarchie, bis er schliesslich Deutschlandchef von Universal Music wird.
Als Insider schildert er seine Eindrücke aus 18 Jahren Tätigkeit für die Musikindustrie. Er zeigt die Unfähigkeit dieser schwerfälligen Plattenlabels, sich frühzeitig auf neue Medien wie Internet zu konzentrieren und diese als Absatzkanäle zu Nutzen.
1993 prophezeite Renner mit 11 anderen Nachwuchsführungskräften, dass in 10 Jahren der Grossteil der Musik über Netzwerke verkauft wird und nicht mehr als physikalischer Tonträger. Der Appell der Gruppe an die Geschäftsleitung lautete, sich frühzeitig darauf einzustellen und Distributions- und Bezahlmodelle zu entwickeln. Nichts ist geschehen.
Doch es ist nicht nur das Internet, mit dem Renner sich auseinandersetzt. Er stellt die gesamte Geschichte der Musikindustrie kurz dar, mit all ihren Höhen und Tiefen.

Das Buch ist für jeden, der sich für Musik und auch Wirtschaft interessiert, sehr zu empfehlen. Dieser Hintergrundbericht ermöglicht einen anderen Blickwinkel, als jenen des Konsumenten. Renner schreibt interessant und flüssig, nur gegen Ende gibt es einige Längen, als er sich über Film- und Medienindustrien im Allgemeinen auslässt. In diesem Teil fehlt einfach die persönliche Note, man merkt, dass es nicht wirklich sein Revier ist und die Schlüsse die er zieht, wurden schon andernorts gezogen. Nichtsdestotrotz lohnt sich die Anschaffung.

“Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm!” von Tim Renner, erschienen im Campus Verlag. ISBN: 3-593-37636-9

|

Spardesign

Kategorien

Links

Suche

Meta

Textpattern Slug
Mac
Too Cool for Internet Explorer